Evolution der südafrikanischen Bruniaceae

Die Bruniaceae sind eine kleine subendemisch in der Kapprovinz Südafrikas verbreitete Pflanzenfamilie (eine Art in Natal). Alle Arten wachsen als Hartlaubsträucher oder kleine Bäume und sind oft in der Nebelzone der Gebirgszüge zu finden. Viele von ihnen sind selten und nur von einzelnen Populationen bekannt. Als eine der wenigen endemischen Familien der Südafrikanischen Flora spielen die Bruniaceae eine wichtige Rolle für die Rekonstruktion der Evolution der Kapflora.

Zu Beginn des Projektes war kaum etwas über die Biologie und Evolution der Familie bekannt. Wir führten zunächst eine Verzweigungs- und Infloreszenzanalyse durch und setzten dann die Arbeit mit Studien zur Blütenmorphologie, Bestäubungsbiologie und Phylogenie fort. Die Bruniaceae sind mit ihren kleinen, sklerophyllen Blättern und einem asaisonalen Wuchsrhythmus an das mediterrane Klima angepasst. Die Blüten stehen gewöhnlich in dichten Verbänden, präsentieren Nektar an der Basis des Fruchtknotens und werden von Fliegen, Käfern und anderen unspezialisierten Insekten bestäubt. Protandrie und Protogynie kommen vor und erhöhen die Chance auf Fremdbestäubung. An Hand molekularer Daten rekonstruierten wir die Evolution der Familie. Die Bruniaceae erwiesen sich dabei als eine alte Reliktgruppe, die mit dem Klimawechsel im Miozän-Pliozän eine relativ junge Artbildungsphase durchlaufen hat. Basierend auf molekularen und morphologischen Daten entstand eine neue Klassifikation der Familie mit drei Triben, sechs Gattungen und 81 Arten.

Das Projekt wurde von der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG Cl 81/4-1/2, Cl 81/8-1/2, Cl 81/12-1/2) unterstützt und endete 2010. Derzeit überprüfen wir im Rahmen des aktuellen Schwerpunktes `Entwicklung von Blütenstanden´ die Architektur der Blütenstände einiger Arten.

Publikationen

Claßen-Bockhoff R. 1994: Verzweigungsverhalten und Infloreszenzstruktur der Bruniaceen: systematische, morphologische und phylogenetische Schlußfolgerungen. Habilitationsschrift, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen.

Claßen-Bockhoff R. 1995: Wuchsverhalten und Infloreszenzstruktur in der Gattung Nebelia (Bruniaceae). Feddes Repert. 106: 415-437.

Claßen-Bockhoff R. 2000: Inflorescences in Bruniaceae. Opera Bot. Belg. 12: 5-310.

Claßen-Bockhoff R. 2016. Bruniaceae. In Kubitzky K (ed.), The Families and Genera of Vascular Pants. Vol. 14: Flowering Plants: Eudicots: 103-115.

Claßen-Bockhoff R., Oliver EGH, Hall AV., Quint M. 2011: New classification of the Bruniaceae based on molecular and morphological data. Taxon 60:1138-1155

Oliver EGH., Hall AV., Claßen-Bockhoff R. 2010. Two new species of Bruniaceae from Western Cape, South Africa. Bothalia 40: 96-101

Quint M. 2004. Evolution of Bruniaceae: evidence from molecular and morphological studies. Dissertation, Universität Mainz.

Quint M., Claßen-Bockhoff R. 2006: Phylogeny of Bruniaceae based on matK and ITS sequence data. Int. J. Plant Sci. 167: 135-146.

Quint M., Claßen-Bockhoff R. 2006: Floral ontogeny, petal diversity and nectary uniformity in Bruniaceae. Bot. J. Linn. Soc. 150: 459-477.

Quint M., Claßen-Bockhoff R. 2008: Ancient or recent? New insights on the age of the Bruniaceae and the evolution of the Cape Flora. Organisms, Diversity and Evolution 8: 293-304.

Schardt L. 2010. Evolution of South African Bruniaceae: evidence from ecological and geographical investigations.  Dissertation, Universität Mainz.

Warren B., Bakker FT., Bellstedt DU., Bytebier B., Claßen-Bockhoff R. , Dreyer LL., Edwards D., Forest F., Galley C., Hardy CR., Linder HP., Muasya AM., Mummenhoff K., Oberlander KC., Quint M., Richardson JE., Savolainen V., Schrire BD., van der Niet T., Verboom GA., Yesson C., Hawkins JA. 2011: Consistent phonological shifts in the making of a biodiversity hotspot: the Cape flora. BMC Evolutionary Biology. http://www.biomedcentral.com/1471-2148/11/39